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Wien (ptp022/25.06.2015/15:00) – Die Angst der Anleger vor einem Euro-Austritt Griechenlands („Grexit“) ist groß. Doch Gerhard Massenbauer, Vermögensverwalter und Herausgeber mehrerer Devisenmarkt-Publikationen, beruhigt.

„Die Meisten blicken auf ökonomische Faktoren und verwenden diese als Grundlage ihrer Diskussionen über den ‚Grexit‘. Viel schwerer liegt jedoch ein militärstrategischer Faktor, der in der Öffentlichkeit nicht erwähnt wird, nämlich die NATO Mitgliedschaft Griechenlands. Ein Fallenlassen durch die EU könnte längerfristig die NATO-Mitgliedschaft gefährden und chinesische oder russische Militärstützpunkte im Mittelmeer nach sich ziehen. Daran haben weder die USA noch Europa Interesse. Sollte keine Einigung im Tauziehen um die weitere Finanzierung Griechenlands erzielt werden, droht in diesem Zusammenhang der Gesichtsverlust aller Seiten, während eine Einigung einer Wahrung der Ehre gleicht.“

Sollte deshalb das wahrscheinlichere Szenario einer Einigung eintreten, rechnet Massenbauer mittelfristig mit steigenden Aktienkursen und einem festeren Euro zu US-Dollar und Yen. Die kommende Dollarschwäche begründet er mit Leistungsbilanz-Ungleichgewichten: „Mittelfristig werden die Marktteilnehmer merken, dass es doch eine Bedeutung hat, dass die USA ein Leistungsbilanzdefizit von 400 Mrd. Dollar aufweisen, während Europa einen Überschuss von 300 Milliarden Euro generiert.“ Bis Jahresende hält Massenbauer eine Wechselkursrelation EUR/USD von 1,20 bis 1,25 für möglich.

Sollte es aber unerwartet zu einem Grexit kommen, würde der Euro kurzfristig unter Druck geraten und Kurse bis zu unter einem US-Dollar pro Euro wären denkbar. Doch auch in diesem Szenario würde sich mittelfristig die Leistungsbilanzproblematik negativ auf den US-Dollar auswirken und nach kräftigen Rückschlägen würde es zu einem erneuten Anstieg der Aktienkurse und des Euro kommen.